Warum traumsensibel mehr als ein moderner Social-Media-Hype ist

Was traumasensibel wirklich heißt und warum es so vielen fehlt liest du hier in meiner kostenlose Leseprobe – yaay!

Was bedeutet traumasensibel eigentlich (nicht)?

Du sitzt im Erstgespräch bei einer Therapeutin. Nach schon so vielen Ent-täuschungen hast es nochmal gewagt. Du bist immer noch auf der Suche nach Fachpersonal, was dir endlich und wirklich helfen kann. Du berichtest also von deine Erfahrungen und Erlebnissen, dies tust du sehr sachlich, weil dein Körper sagt: „wir bleiben hier mal lieber auf Hab-Acht, damit wir nicht wieder verletzt werden“. Mit dem Ergebnis, dass die Therapeutin sagt: Ihnen fehlt ja nix! Sie scheinen das ja alles gut im Griff zu haben.

NEEEEIIIIN!! EBEN NICHT!

Was viele (auch Psycholog:innen und Berater:innen) nicht verstehen ist, dass man die Menschen erstmal dort abholt, wo sie stehen. Nicht umsonst bringen sie schon wieder die Energie auf, nach Hilfe zu suchen. Was schon schwer genug fällt. Und was auch viele nicht verstehen ist: Dass das sachliche Verhalten ein berechtigter Schutzmechanismus ist. Denn erst einmal muss das Vertrauen auf der Beziehungseben stimmen, bis die Person sich wirklich traut sich zu öffnen.

Warum traumasensibles Arbeiten im Gesundheitssystem so selten ist

So, und nun? Lange war es mir schon wichtig ohne dafür einen Namen gefunden zu haben. Bis ich dann angefangen habe mich mehr mit dem Thema frühkindlichem Trauma im deutschen und nicht deutschen Literaturraum auseinanderzusetzen. Mittlerweile gibt es immer mehr dazu, unter anderem auch Fort- und Weiterbildungen, wie zum Beispiel die Weiterbildung zur Traumafachberaterin, die ich gerade mache.

Nach eigenen Erfahrungen und nach den unzähligen Erfahrungsberichten meiner Klient:innen wünsche ich mir, dass ALLE und jede:r im Gesundheitssystem so eine Ausbildung machen/macht. Und ich meine wirklich alle, denn mit diesen allen habe ich täglich in meinem hauptberuflichen Job zu tun und ich raufe mir regelmäßig die Haare (ein Wunder, dass ich überhaupt noch soviele Haare habe…): Ärzt:innen, Therapeut:innen, Sachbearbeiter:innen bei Krankenkassen, Versorgungsämtern, Rentenversicherung, Agentur für Arbeit. Das würde es den betroffenen Menschen soviel leichter machen.

Natürlich raufe ich mir nicht bei allen die Haare. Ich erlebe auch wirklich tolle Zusammenarbeit und Kooperationen, eben genauso wie es sein soll! Wäre das nicht, würde ich diesen Job auch nicht so gerne machen. Nur leider kommt das viel zu selten in diesem riesen System vor.

Wir können leider nicht darauf warten, dass sich das Gesundheitssystem schlagartig verändert, dazu ist es viel zu starr. Wir können nur das System ändern, indem wir uns selbst verändern. Deswegen bleibt mir nichts anderes übrig, als darüber aufzuklären, Empfehlungen von Expert:innen auszusprechen und GENAU: Euch dabei zu helfen einen besseren Umgang mit all dem zu finden.

Traumasensibel heißt: Körper, Psyche und Umfeld zusammen denken

Traumasensibel bedeutet für mich auch, alle beteiligten Systeme mit in Betracht zu ziehen. Ich hatte ja schonmal das biopsychosoziale Modell erwähnt. Würde bedeuten, euer behandelnder Arzt nimmt sich viel Zeit, um dich, deine Umstände und dein Umfeld kennenzulernen, um daraus dann die richtigen Therapien für dich zu empfehlen oder umzusetzen. Dazu würde auch gehören, dass er weiß und sich merkt, dass du schon viele übergriffige und schlechte Erfahrungen gemacht hast, um sich demnach sensibel auf dich und deine Bedürfnisse anzupassen. Klingt wie ein Träumchen, oder?

Manche machen es. Vielen ist es ein Anliegen. Nur leider wird es nicht in das Gesamtsystem integriert. Die meisten Ärzt:innen/Therapeut:innen, die darauf großen Wert legen, bietet ihre Dienstleistungen irgendwann nur noch privat an, weil es das Kassensystem gar nicht zulässt, dass Ärzt:innen sich wirklich Zeit nehmen. Und das ist wirklich ein Problem! Ich denke, es ist immer etwas veränderbar. Auch in diesem System. Aber eben nur gaaaaanz langsam. Und soviel Zeit haben wir nicht, weil zu viele zu sehr leiden und nicht wissen warum.

Ein spannender und noch sehr neuer medizinischer und interdisziplinärer Ansatz ist die Psychoneuroimmunologe.

Nervensystem, Hormonsystem, Immunsystem: Ein hochkomplexes System, was sich unmittelbar und mittelbar beeinflusst und bedingt.. Daher kann man auch chronische Entzündungserkrankungen oder auch Autoimmunerkrankungen nicht ohne eine traumatherapeutische Perspektive betrachten. Kein Hokuspokus. Wissenschaftlich belegt. Schauen nur zu wenige hin.

Wie würde bei dir ein traumsensibler Arztbesuch aussehen?

Wie würde bei dir eine traumasensible Therapiesitzung aussehen?

Wenn Stärke nur gut trainierter Selbstschutz ist

Wie schon erwähnt, aber ich betone es nochmal, weil es so wichtig ist: Auch Therapeut:innen kennen sich teilweise zu wenig aus: die sehen dich da sitzen. Wie immer siehst du stark und fit aus, bist halt im Überlebensmodus. Die Selbstschutzmauern hochgefahren, bloß nicht verletzlich zeigen, weil dann könnte ich ja wirklich wieder verletzt werden, ist ja auch allzu oft und immer wieder passiert. Dann lachst du noch, erzählst deine Geschichte so kompetent, dass man glaubt: „Ach, die braucht keine Hilfe, die hat das ja wie immer im Griff.“

Nein. Du musst nicht immer alles im Griff haben. Und nein, du musst nicht immer alles alleine schaffen!

Du musst nicht immer funktionieren – und schon gar nicht allein

Jaja, das Schicksal der trauamtisierten Kinder? Nein! Das ist kein Umstand an den du dich gewöhnen musst. Du kannst das ändern, mit traumasensibler Hilfe: Deine Systeme so umprogrammieren, dass du lernst, dich zu öffnen, aber eben nur bei denen, die auch wirklich keine Gefahr für dich darstellen. Es ist nur ohne Hilfe sehr schwierig, das zu ändern, das kenne ich aus eigener Erfahrung.

Was würde sich für dich verändern, wenn du traumasensibel begleitet würdest?

Traumasensibel sein klingt nach Fachwort.
Im Alltag entscheidet es darüber, ob Menschen sich öffnen oder weiter zumachen.
Und ob sie verstanden werden – oder wieder funktionieren müssen.

Wenn dich diese Fragen beschäftigen und du tiefer eintauchen möchtest – ohne Pathologisierung, ohne Druck und mit einer Prise Humor – dann findest du meine längeren Texte auf Steady – und nicht im Wartezimmer 😉

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