Liebes Gesundheitssystem, ich bin nicht dein Spielball!

Eine (selbst)ehrliche aber auch gesellschaftskritische Bestandsaufnahme meines letzten Ärzt:innen-Marathons der letzten zwei Jahre.

Leute, es war mal wieder soweit. Es trudelte eine Diagnose nach der anderen rein, was dafür sorgte, dass ich die letzten Monate in einem deftigen inneren Struggle war. Ist ja nicht so, als würde eine Diagnose ausreichen, die einen schon Jahre an Ärzt:innen-Hopping, Selbstfürsorge, Tränen und Schmerz gekostet hat.

Mein Körper, mit dem Geld generiert wird

Schon vor knapp zwei Jahren fing es an, als meine noch damalige Gyn den Verdacht auf eine Insulinresistenz äußerte. Nebenbei wollte sie mir noch eine Endo-OP andrehen, die unbedingt in der Klinik durchgeführt werden sollte, in der ZUFÄLLIG ihr Mann der kaufmännische Geschäftsführer ist. Ihr Werkzeug: Angst bei mir erzeugen.

Das OP-Vorgespräch in dieser Klinik war sehr gut. Das erste Mal geriet ich an Ärzt:innen, die selbstehrlich waren und meinten: Bei ihrem Befund sind wir die falschen. Dazu sind wir nicht ausreichend ausgestattet. Eine OP bei uns wäre keine gute Idee, wir würden „anoperieren“* und dann müssten sie wahrscheinlich in einer Spezialklinik nochmal operiert werden. Und BY THE WAY: „Warum schickt ihre Gyn Sie dann zu uns?“

In einem Nebensatz erwähnte sie dann, dass der Mann der Gyn hier Arzt sei und dass man mit dem vielleicht mal reden sollte. AHA! Und wieder mal war ich als Patientin, als Mensch, mit meinem Körper, Spielball einer Politik im Gesundheitssystem geworden.

Diagnosen, verteilt wie Bonbons auf dem Karnevalsumzug

Über den Verdacht auf die Insulinresistenz war ich dennoch dankbar. Dadurch wurde es mehr als früh erkannt, bedeutet: Die Chancen sind groß, dass ich ggf. auch ohne Medikamente wieder in den Normalbereich komme (Langzeitzuckerwert).

Meine Hausärztin nahm das sehr ernst, direkt bekam ich ZACK die Diagnose Diabetes Typ II. Ach und eine nichtalkoholische Fettleber ist auch noch dabei. Herzlichen Glückwunsch!

Was bedeutet das? Was sind die Ursachen? Und was kann ich tun?

Circa ein Jahr hab ich das vor mich hergeschoben. Verdrängt. Wer will schon zwei neue Diagnosen haben. Diese müssen ja auch erstmal VER-ARBEITET werden. Das kann viel mit einem machen: Ohnmacht, Überforderung, Wut. Dass so ein Rattenschwanz dahinter steckt, ist leider den WENIGSTEN Ärzt:innen klar.

Je mehr Diagnosen, desto heller das Funkeln in den Augen der Ärzt:innen

Die Werte wurden nicht besser, eher schlechter. Das Verdrängen meinerseits musste ein Ende finden. Und schon an diesem Punkt war ich müde. Müde von diesem System. Müde von Leuten, die mir alle erzählen wollen, was ich zu tun und zu lassen habe. Aber es half nichts. Ich musste mir -wie immer- Wissen zu allem aneignen, damit ich dann Wege FÜR MICH finde, die sich gut anfühlen.

Anfang diesen Jahres fing es also an mit einem Kurs in einer Praxis für Diabetologie. Eine coole Ernährungsberaterin, bei der mir allerdings die Perspektive darauf gefehlt hat, was für eine Auswirkung (chronischer) Stress auf die Laborwerte haben kann. Deswegen machte ich im Anschluss noch eine gewichtsneutrale** Ernährungsberatung. Eine Beraterin, die mir förmlich den Arsch gerettet hat.

Warum?

Wenn noch psychische Erkrankungen bzw. Trauma mit im Spiel sind, sind es meistens nicht die Diagnosen, die einen so stressen. Mich hat also viel mehr der Umgang mit meinen Diagnosen gestört. Der Umgang von Ärzt:innen und Berater:innen, die in einer mächtigeren Position sind als ich. Die ich aufgrund ihrer Expertise und aufgrund ihres weißen Kittels zu Beginn erstmal auf einen Podest stelle. „Die werden schon wissen, was sie tun. Die sind ja die Profis“. Das heißt, in solch einem Fall ist es sehr wichtig, jemanden an der Seite zu haben der

  • das nötige Wissen hat
  • traumasensibel ist
  • MIT mir spricht, anstatt nur ÜBER MICH zu sprechen
  • mit mir OPTIONEN an Therapien durchgeht, anstatt auf eine bestimmte Therapie zu verharren

Trauma geht häufig mit einem inneren Anteil einher, der co-abhängig ist. Diese emotionale Co-Abhängigkeit kann dafür sorgen, dass wir alles, was die mächtigere Person sagt oder empfiehlt, als das einzig Wahre empfinden. Und genau deshalb ist es so wichtig, vertrauenswürdige Personen (wie die Ernährungsberaterin) zu haben, die ehrlich und auf Augenhöhe berät und einem Halt gibt.

Die Ungeduld der Ärzt:innen, die NICHT meine ist

Und das war zum Glück diese Ernährungsberaterin. Meine Werte wurden besser. Langsam. Wenn Werte LANGSAM besser werden, hat es den Vorteil, dass es auch nachhaltig gut BLEIBT. Auch so ein Punkt! Die eigene Ungeduld der Behandler:innen, die auf die behandelnde Person übertragen wird. Und das löst schnell mal Druck und Angst aus: Was mache ich falsch? Muss ich NOCH MEHR tun, damit die Werte schneller besser werden?

Die Ernährungsberaterin hat mir diese Unsicherheit immer wieder genommen, was wirklich wichtig war für meine mentale Gesundheit. Ich kann grad nicht mehr tun. Es ist alles gut so. Das braucht nur etwas Zeit.

Nahrungsergänzung – Fluch oder Segen?

Während dieses Marathons legte ich noch einen Zwischenstopp bei einer Osteopathin ein. Primär aufgrund von zu starken Blutungen, die ich auf die Adenomyose geschoben hatte. Auch eine tolle und sehr bemühte Frau, die mir aber Nahrungsergänzungsmittel empfohlen hatte, die sich schädigend auf die Leber auswirken können und Östrogen im Körper fördern. Das habe ich erst im Nachhinein kapiert, weil es sehr komisch und ungewöhnlich war, dass zwar der Langzeitzuckerwert besser wurde, aber die Leberwerte nicht. Denn normalerweise geht das ineinander über. Leber und Bauchspeicheldrüse arbeiten zusammen und müssen sich gegenseitig unterstützen. Das habe ich zum Beispiel in der Ernährungsschulung und Beratung gelernt. Was vorab eine Diabetologin verneinte: Leber und Zucker? Nein, da gibt es keinen Zusammenhang. …

Tausend Diagnosen, die GETRENNT voneinander betrachtet werden

Achtung, es wird noch wilder! Wenn du jetzt schon keine Lust mehr hast weiter zu lesen, kann ich das verstehen. Aber es lohnt sich – bis zum Ende 🙂

Ein weiterer Zwischenstopp war die Endometriose Sprechstunde. Das war eine positive Erfahrung. Dort wurde mir gesagt, dass die Adenomyose bei mir gar nicht mehr stark ausgeprägt ist. Heißt also auch, dass „die Endo nicht an allem Schuld ist“ in meinem Körper. Das war wiederum das Mantra meiner jetzigen Gyn, die sich auch nicht anhören wollte, was neben den Blutungen aktuell in meinem Körper los ist.

Während dieser ganzen schon eh stressigen Tortur kam noch Haarausfall dazu. Und nicht, ein paar mehr Haare als sonst, die ausfallen. Nein. Der kreisrunde Haarausfall sollte es sein. Eine autoimmune Reaktion, die im Worst Case dafür sorgen kann, dass einem alle Haare am ganzen Körper ausfallen und auch nie wieder nachwachsen.

Ein weiterer SCHOCK! Und meine Kraft war am Ende. Was soll noch kommen? Und wie soll ich das alles VERDAUEN und VERARBEITEN, neben meinem Job? Neben meiner Fernbeziehung? Neben meinem Freizeitleben? (Welches Freizeitleben? War ja keins mehr da….)

Und meine schönen, dicken, langen Haare? Die doch immer ein Zeichen meiner Kraft waren! Haare hängen auch viel mit der weiblichen Urkraft zusammen. Und der Leidensdruck ist sehr groß, wenn die Haare immer mehr ausfallen und keiner einem so richtig helfen kann.

Wenn die Patientin angeblich keine Wahl hat

Aufgrund des Haarausfalls sitze ich also in der Haarsprechstunde in der Uniklinik. Dieser Termin von gefühlt 5 Minuten verlief so: Sie tippt all die Diagnosen in ihren Computer ein. Fragt nicht einmal, wie es mir mit den Diagnosen geht… Wie der aktuelle Stand ist…. und seit wann ich diese habe…

ZACK. Gesichterte Diagnose kreisrunder Haarausfall. Mit der Empfehlung einer Kortison Behandlung. MEIN KÖRPER verspürte innerlich einen kompletten Widerstand. Seit dem ich die besagten Nahrungsergänzungsmittel abgesetzt hatte, wuchsen die Haare an den Stellen schon wieder fröhlich nach. Zufall oder Zusammenhang? Ich glaube schon an den Zusammenhang, aber keine:r will oder kann es mir bestätigen.

Ich frage also: Kann ich nicht noch drei Monate abwarten und erst dann mit der Behandlung anfangen, wenn es nicht besser wird? Nein, das wäre nicht zu empfehlen. AHA. Danke fürs Gespräch. Die Ärztin konnte nicht sehen, dass ich eh schon zuviel hab. Obwohl ich es gesagt hab. Und meine BERECHTIGTE Sorge, dass sich Kortison negativ auf meinen Insulinspiegel auswirken kann, war ihr auch egal. „Da müssen sie sich keine Sorgen machen.“

Aber nur weil sie sagt ich muss mir keine Sorgen machen, heißt es ja nicht, dass meine Sorgen sich durch diesen Satz plötzlich in Luft auflösen.

Ich holte mir also eine Zweitmeinung ein. Von einem Verein für kreisrunden Haarausfall. Eine tolle Dame, die sich ehrenamtlich seit 30 Jahren engagiert und selbst betroffen ist. Und mir rät: Wenn Sie sich damit nicht wohl fühlen, dann machen sie es nicht! Außerdem sei erfahrungsgemäß gar nicht sicher, ob durch die Behandlung der Haarausfall nachhaltig gestoppt wird.

Stoffwechselstörung – wenn alles im Körper durcheinander gerät

Es ist alles zuviel. Und es ist niemand da, der sich das mal GANZHEITLICH anschaut. Die Einzige, die sich das ganzheitlich anschaut, bin ich selbst. Das ist wohl mein Rettungsanker. Meine unermüdliche Neugier, mein eigenes Wissen mit Büchern zu erweitern, um Antworten auf Fragen zu finden, die mir niemand in diesem Gesundheitssystem geben kann oder möchte.

Stellt euch eine Karikatur vor: Auf dem Bild ist eine Patientin zu sehen. Sie sitzt auf einem Stuhl, ihr Blick lügt nicht. Er zeigt: Angst, Wut, Überforderung. Und um sie herum eine Traube von Ärzt:innen und Behandler:innen, die alle wie wild an ihr ZIEHEN und ZERREN, weil sie das Gesamtbild nicht sehen. Weil sie dich nicht als Mensch sehen. Weil sie nur deine Diagnose sehen. Nur die eine Diagnose, für die sie zuständig sind.

In meinen Augen ist es total logisch, dass wenn mein gesamter Stoffwechsel gestört ist, weitere Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Stress da eher kontraproduktiv sind. Eher muss der Stress rausgenommen werden. Ruhe einkehren. Und beobachtet werden, wie es sich entwickelt, wenn ich meinen Stoffwechsel und vor allem meine Leber dabei unterstütze, wieder normal zu arbeiten. Das darf dann auch durch Nahrungsergänzungsmittel unterstützt werden. Aber eben nur von denen, die auch wirklich helfen.

Ich will einfach nur meine Ruhe haben!!

Jetzt ist Ende Oktober 2025. Die geballte Ladung dieser Geschichte fand innerhalb der letzten 12 Monate statt. Definitiv zuviel, für die Seele, für den Geist und für den Körper.

Mein Rezept, was ich mir nun selber ausstelle:

  • mich wieder mehr auf meine bereits vorhandene Intuition verlassen, die mir in den letzten 12 Monaten durch Überforderung und zu vielen Meinungen abhanden gekommen ist
  • erstmal VERDAUEN, was ich in den letzten 12 Monaten alles gewuppt habe, vor allem die komplette Ernährungsumstellung (bei der ich trotzdem intuitiv bleiben möchte, ohne mich unter Druck zu setzen, jeden Tag SUPER MEGA KRASS GESUND zu essen…)
  • Ruhe einkehren lassen, sodass ich mich von allem erholen kann
  • keine weiteren Termine, keine weiteren Meinungen außer:
  • Der von mir initiierte Besuch bei einer Endokrinologin, die sich mit mir mein Hormonbild anschaut und mich nicht unter Druck setzt
  • mir die medizinische Hypnose von Dr. Dorothee Struck aus Kiel reinziehen

Chronischer Stress wirkt sich langfristig auf unser Hormon- und Immunsystem aus

Nicht umsonst beschäftige ich mich seit Jahren mit dem Thema der Psycho-neuro-immun-ologie. Denn dieses Verhalten der Ärzt:innen löst enormen Stress in mir aus. Ich will nicht die ganze Verantwortung auf die einzelnen Ärzt:innen schieben. Denn sie sind auch gefangen in einem getrennten System. Das spielt eine große Rolle! Aber ich appeliere trotzdem an alle Ärzt:innen, sich mehr zu öffnen! Für einen sensiblen Umgang. Für einen systemischen/ganzheitlichen Blick.

Je mehr Stress ich habe, desto negativer kann sich das auf mich auswirken. Sowohl psychisch, also auch körperlich. Und wenn Trauma (psychische Erkrankungen) im Hintergrund ist, umso mehr!

Traumapatient:innen brauchen Sicherheit und Transparenz

Diese Geschichte handelt nicht nur von mir. Sie handelt von so vielen anderen da draußen, denen es ähnlich geht oder die ähnliches erfahren haben. Diese Menschen berate ich täglich in meiner Festanstellung als Systemische Therapeutin. Da, wo das Gesundheitssystem versagt, fangen es psychosoziale Berater:innen (z. B. meine Ernährungsberaterin oder meine Wenigkeit) wieder auf und „verarzten“ es auf seelischer Ebene. Das kostet enorm viel Kraft, diese Menschen wieder aufzupeppeln, die von einem unsensiblen System zermürbt wurden und werden.

Traumapatient:innen brauchen Sicherheit. Mehr Zeit. Mehr Wissen. Mehr Erklärung. Die es in den Sprechstundenzimmern nicht gibt. Traumapatient:innen ist am meisten geholfen, wenn man ihnen genau erklärt, was los ist, wie die Zusammenhänge zu sehen sind und was es für Optionen gibt. PLURAL: Optionen!!! Es hilft Traumapatient:innen absolut gar nicht, tausend Empfehlungen zu bekommen, die sich zum Teil widersprechen!

Traumapatient:innen brauchen Wissen, eine gesunde Kontrolle über ihren Körper und das Stärken in ihrer eigenen Selbstwirksamkeit. Da sie zu oft und immer wieder Ohnmacht ausgesetzt wurden.

Traumapatient:innen brauchen aufmerksame Ärzt:innen, die sich ihrer MACHT bewusst sind und mit dieser Macht VERANTWORTUNGSVOLL umgehen.

Hol dir dein Selbstbewusstsein zurück!

Deswegen mache ich den Job, den ich hier mache. Denn ich kann das System nicht ändern. Ich kann die Ärzt:innen nicht ändern. Diese Erkenntnis mag sehr ent-täuschend sein und auch weh tun. Aber was ich immer wieder aus diesen eigenen Erfahrungen und aus den Erfahrungen meiner Klient:innen lerne, ist: Wir dürfen lernen, gut für uns zu sorgen. Wir dürfen lernen, immer mehr unsere Bedürfnisse wahrzunehmen. Und wir dürfen lernen, Nein zu sagen. Auch gegenüber Ärzt:innen. Auch gegenüber Therapieempfehlungen. Auch gegenüber Medikamenten-Empfehlungen. Egal ob naturheilkundlich oder chemisch.

Diese gesunde Abgrenzung kann auf lange Sicht überlebenswichtig sein. Sich selbst stärken, sich selbst Sicherheit geben können. MIT HILFE von tollen Berater:innen oder Ärzt:innen, die dich sehen. Die dich sehen wollen. Die dich als Mensch sehen. Die nicht nur deine Diagnose sehen.

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* anoperieren: Ein Begriff, der bei Endometriose von Bedeutung ist. Denn je öfter operiert wird, desto mehr Vernarbungen kann es geben. Diese Vernarbungen können wiederum zusätzliche Schmerzen auslösen. Daher ist es wichtig, sich ausschließlich von denen operieren zu lassen, die alle Geräte und die nötige Expertise haben.

** gewichtsneutral: es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass reine Ernährungsumstellung nichts bringt und dass unser Körpergewicht nicht primär etwas über unsere Gesundheit aussagt. Stressmanagement und guter Schlaf spielen eine genauso wichtige Rolle!

Ein ganzheitlicher Ansatz bei Endometriose

Wenn du mehr über meine Arbeit wissen möchtest, lade ich dich ein, den Podcast von Herzwärts zu hören, bei dem ich eingeladen war.

Du erfährst regelmäßig von mir, wenn du meinen Newsletter abonierst.

Außerdem findest du einen 0€ Achtsamkeitskurs, den du machen kannst, um dich mehr zur Ruhe zu bringen und dir über deine Gefühle und somit über deine Bedürfnisse bewusster zu werden.

Wenn du eine systemische Online-Beratung bei mir buchen möchtest, melde dich gerne über das Kontaktformular bei mir. Dann vereinbaren wir ein kostenloses Kennenlerngespräch 🙂

Ey Mark, du triggerst mich bis nach Meppen und zurück! Deswegen mache ich Schluss!

Leute, et is soweit. Ich verlasse Instagram!

Jaaaaa, du hast richtig gehört! Und du denkst jetzt wahrscheinlich: WAS SOLL DAS? Bist du irre, Tessa?

NEIN, ganz im Gegenteil! Das ist mit die beste Entscheidung, die ich in den letzten Wochen und Monaten getroffen haben. Denn es tut mir nicht gut. Ich fühle mich nicht wohl. Ich fühle mich unter Druck gesetzt. Und der hohe Suchtfaktor trägt nicht zu meiner seelischen und körperlichen Gesundheit bei.

Meine LIVMOR (das norwegische Wort für Gebärmutter/LEBENSMUTTER) reagiert extrem auf chronischen Stress und patriarchale/narzisstische Systeme. Ich entwickel dann wieder dysfunktionelle Blutungen und das macht einfach keinen Spaß. Aber wem erzähle ich das? Du liest das hier wahrscheinlich, weil du Endo oder Adeno kennst oder vielleicht andere körperliche Beschwerden hast.

Und Instagram ist ein narzisstisches System. Hinzukommt, dass Meta jetzt gemeinsame Sache mit Trump und Co machen will und das hat mir nun wirklich den letzten Rest gegeben: Das kann ich mit meinen wichtigsten Werten nicht vereinbaren

  • Selbstfürsorge
  • Achtsamkeit
  • moderner Feminismus

Versteht mich nicht falsch, ich liebe Männer. Oder sagen wir: ich liebe Menschen! Aber eben nicht die narzisstischen. Die machen mich krank. Die machen die Natur krank. Die machen unsere Gesellschaft krank. Nicht mit mir!

Einmal Suchti, immer Suchti?

Einige von euch wissen es bereits, ich habe vergänglich meinen traumatischen Schmerz gerne in Parties und Alkohol ertränkt. Seit 2016 allerdings nicht mehr. Da habe ich auch schon eine wichtige Entscheidung getroffen und SCHLUSS GEMACHT. Schluss gemacht, mit dem Alkohol. Und seither bin ich auf meiner Reise… mit auf und abs, aber stetig immer mehr zu mir selbst.

Ich saß vor ein paar Tagen bei meiner Therapeutin und habe ihr von Weihnachten und Neujahr erzählt. Und dass ich mich so auf Weihnachten gefreut hatte, weil ich da endlich mal ganz viel Ruhe und Zeit nur für MICH hatte. Aber was habe ich getan? Gearbeitet. Gearbeitet. Gearbeitet.

Da wurde es mir klar! Ich habe meine Alkoholsucht einfach mit der Arbeitssucht ausgetauscht. Getriebensein mit fast schon wahnhafter Kreativität bis mitten in die Nacht.

Ich habe vor ein paar Jahren mit meiner Selbstständigkeit auf Instagram angefangen, weil es mir nicht gut ging. Mir ging es nicht gut in der Festanstellung. Und die Selbstständigkeit war der AUSWEG für mich. Der innere FLUCHTWEG! Und was nicht gesund angefangen hat, kann auch nicht gesund wachsen.

Getrieben. Gestresst. Hochfunktional. Ein Trauma-Modus, der von der Gesellschaft gerne gesehen wird. Schließlich ist unsere Gesellschaft darauf ausgelegt, Kapital zu maximieren, nicht still zu stehen und permanente Leistung zu erbringen. The good old Leistungsgesellschaft. Aber dieser Modus ist nicht gesund. Chronische Cortisol-Ausschüttung, die meine Hormonbalance wieder aus dem Gleichgewicht brachte und für erneute Endo- und Adeno-Symptomen sorgte.

Aber damit ist jetzt Schluss!

Wie geht es weiter?

Seitdem ich das erkannt habe, geht es mir wesentlich besser! Ich tanze plötzlich wieder durch meine Wohnung. Fühle mich frei, leicht und verbunden mit mir und meinem Körper. So, wie ich mich 6 Monate lang auf Baltrum gefühlt habe, als ich mir eine Auszeit nahm, um Zimmer in einem Yoga-Hotel zu putzen.

Nun brauche ich erst einmal etwas Pause, um mich zu sortieren und mein Business online aber ohne Social Media aufzubauen. Es wird weiterhin den Newsletter geben. Der Newsletter ist allgemeiner gefasst, da spreche ich nicht nur über Endometriose.

Außerdem möchte ich mein wertvolles Wissen und meine Kreativität nicht mehr nur kostenlos teilen und wie Bonbons auf dem Karnevalsumzug rauspulvern! Mein Wissen und meine Kreativität haben seinen Wert und den darf es auch bekommen 🙂

Bei Instagram habe ich mich in den letzten Wochen gefühlt, wie eine gemolkene Kuh. Als könne man mir meine Kreativität und mein Wissen einfach aus mir herausmelken- regelmäßig, konstant, linear. ICH BIN ABER KEINE MASCHINE, lieber Herr Algorithmus. Das ist alles andere als zyklisch. Und auch das zyklische Leben ist mir ein wichtiger Wert, der nicht mit Social Media vereinbar ist.

So ihr Lieben! Ich freue mich sehr, wenn ich mit einigen von euch weiterhin in Verbindung bleibe und ihr mir als treue Follower:innen erhalten bleibt!

Dazu lade ich dich HERZLICH ein! Auf ein NEUES – achtsamer, langsamer, gesünder.

Ich küsse eure Herzen.

Deine Tessa

Emotionsreguliert diskutieren

Die A*fD ist KEINE Alternative für Deutschland. Ich hoffe, da sind wir uns hier einig!

Ich habe überlegt was ich als systemische Therapeutin und interkulturelle Bildnerin gerade zu dieser politischen Misere beitragen kann. In den letzten Jahren in der sozialen Arbeit hatte ich mit vielen Menschen zu tun. Ich habe 12 Monate in einem jüdischen Altenheim gearbeitet und durfte mit Holocaust-Überlebenden über die Geschichte sprechen. Dieser Friedensdienst von der Organisation ASF hat mich sehr geprägt, besonders auch in der Reflexion zu meiner eigenen familiären Na*zi Vergangenheit. Das Auseinandersetzen mit der eigenen Geschichte ist für mich unabdingbar, auch um heute in solchen Zeiten handlungsfähig zu bleiben und was gegen diese Lage zu tun. Dazu später mehr!

Ich habe ‚unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen‘ das erste Bett nach drei Jahren Flucht in der Inobhutnahmen geben dürfen. Ich habe als Sozialberaterin junge geflüchtete Menschen dabei unterstützt in dieser rassistischen Gesellschaft Fuß zu fassen und bewundere sie immer noch dafür, wie stark sie bleiben, trotz dem ganzen (strukturellen) Rassismus. Und ich habe in meiner letzten Tätigkeit in einer öffentliche Beratungsstelle unter den Klient:innen einige (potenzielle) Af*D-Wähler:innen kennengelernt. Das war vermehrt in der Cor*ona-Hochphase. Das ließ sich nicht vermeiden und es half mir gewisse Verhaltensweisen zu verstehen. Die Psychologie erklärt Verhaltensweisen. Nur weil ich diese beobachte und versuche zu verstehen, heißt das nicht, dass ich diese Verhaltensweisen unterstütze.

Diese Erfahrungswerte teile ich nicht, um Applaus zu bekommen, sondern um euch klar zu machen, woher meine Gedanken und therapeutischen Tipps hier kommen.

So eine politische Lage wie wir sie heute haben, entsteht nicht von heute auf morgen. Sowas entsteht, wenn z. B. über Jahre und Jahrzehnte hinweg Na*zi und DDR-Geschichte nicht adäquat aufgearbeitet und die Sozial- und Gesundheitspolitik heruntergewirtschaftet wird. Die eh schon schlecht aufgestellten Menschen werden immer unzufriedener und finden dann Zuflucht bei gefährlichen und leider rhetorisch nicht blöden Demagog:innen, die es an die Parteispitze geschafft haben und strategisch und sprachlich in der Öffentlichkeit Raum einnehmen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass viele der (potenziellen) A*fD Wähler:innen nicht die lupenreinen Na*zis sind, die morgen anfangen, ein Flüchtlingheim anzuzünden. Das sind meist die, die nicht mehr weiter wissen. Die, die stagniert haben. Das sind die, die GLAUBEN, dass ihnen nichts mehr anderes übrig bleibt, als denen zu folgen, die gefährlichen und antidemokratischen Bullshit von sich geben.

Es gibt die A*fD Wähler:innen, die tief und fest davon überzeugt sind, dass Minderheiten Schuld an ihrer Unzufriedenheit sind. Sie verbreiten Hass und sind gewalttätig. Es gibt sie leider, bei denen die Hoffnung verloren ist, eine gesunde Diskussionen auf Augenhöhe zu führen. Gegen diese Menschen spreche ich mich deutlich aus!

Aber es gibt noch die, bei denen das möglich ist. Bei denen eine Chance besteht. Und wenn du mit diesen Menschen in deiner Nachbarschaft, auf dem Arbeitsplatz oder im Sportverein in Kontakt stehst und zunehmend überfordert oder genervt bist von blöden Sprüchen, du aber trotzdem was tun willst, dann habe ich hier ein paar Tipps für dich, wie du emotionsreguliert diskutieren kannst.

Was will die jetzt mit emotionsreguliert? Was SOLL DAS? Berechtigte Frage. Im realen Leben und in meiner Ausbildung zur systemischen Therapeutin durfte ich lernen (insbesondere im Modul Paartherapie), dass hoch emotionalisierte Diskussionen es meist nur noch schlimmer machen. Die Fronten verhärten sich und führen leider zu Missgunst und Trennung. Wir können diese potenziellen A*fD Wähler:innen aber nur erreichen, wenn wir versuchen in Verbindung mit ihnen zu bleiben. Und das ist nicht leicht! Das weiß ich. Das kenne ich. Dennoch bleibt es uns nicht erspart uns damit auseinanderzusetzen.

Daher ist es wichtig, sich selbst und seine Emotionen besser kennenzulernen. Zu lernen, ob ich z. B. gerade

  • extrem wütend bin (dann gehe ich in den Kampfmodus, was mein Gegenüber noch mehr aufheizt und dann kann keine vernünftige Diskussion auf Augenhöhe entstehen)
  • überfordert und ängstlich bin und dann lieber die Decke über die Kopf ziehe (Erstarrung), um mich dazu nicht äußern zu müssen
  • oder die Flucht ergreife und damit NICHTS zu tun haben will, obwohl es eigentlich an der Zeit ist, für sich, seine Mitmenschen und die Demokratie in der wir leben, einzustehen

Ziel ist es, in Diskussionen so BEI SICH zu bleiben, sodass man ruhig, pragmatisch und faktisch argumentieren kann und dem gegenüber zuhört. Und glaubt mir, das schaffe ich auch nicht immer! Ich ich probiere es immer wieder!

Was hat die Person für Sorgen? Von wem fühlt sie sich im Stich gelassen? Es sind nämlich nicht die Menschen mit Migrationsgeschichte die sie im Stich lassen. Sie fühlen sich vom Staat im Stich gelassen. Sie wissen teilweise aber auch nicht, wo sie HILFE bekommen können. In Deutschland gibt es genügen Beratungsstellen, die einem bei allem Unterstützung geben! Vielleicht helfen diese Tipps, damit sie sich nicht mehr so sehr im Stich gelassen fühlen.

Wenn du also ruhig und gelassen bleibst und dein Gegenüber auch (das ist wichtig! Wenn dein Gegenüber hoch emotionalisiert ist führt das Gespräch auch zu nichts) dann kannst du auch in Ruhe und mit Fakten argumentieren. Und dadurch dass dein Gegenüber sich von dir gesehen und gehört fühlt (weil du nach deren Sorgen gefragt hast) ist die Chance höher, dass sie dir auch zuhört!

Argumente, die du dann nutzen kannst:

  • keine:r verlässt freiwillig seine Heimat und sein Zuhause
  • die A*fD ist schlussendlich die letzte Partei, die sich WIRKLICH für dein Wohlbefinden interessiert (alles nachlesbar in deren Parteiprogramm)
  • Menschen mit Fluchtgeschichte bekommen NICHT MEHR Sozialleistungen als alle anderen auch
  • Die Unterstützungsangebote die es für geflüchtete Menschen gibt, gibt es für jede:n andere:n auch, nur unter anderem Namen oder bei einer anderen Adresse
  • Wenn du flüchten müsstest, wärst du auch froh in einem anderen Land mit einer anderen Sprache aufgenommen zu werden

Was hält dich davon ab, jetzt und hier Verantwortung zu übernehmen und dich in solche Gespräche zu begeben?

Ich denke wirklich, dass es wichtig ist sich mit seiner eigenen familiären Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wenn du magst nimm dir Stift und Papier und beantworte dir selbst folgende Fragen:

Welche Emotion hält mich davon ab, mich mit der aktuellen politischen Lage auseinanderzusetzen?

Beispiele:

  • Scham und Schuldgefühle, für unsere Geschichte (setze dich damit auseinander, um dich und deinen Umgang damit besser zu verstehen)
  • Scham und Schuldgefühle gegenüber Menschen mit Migrationsgeschichte (diese Emotionen helfen dir nicht und vor allem den Menschen mit Migrationsgeschichte nicht!! Komme mit Menschen in Kontakt die Migrationsgeschichte haben und frag sie wie es ihnen geht, höre ihnen einfach zu!)
  • Angst etwas Falsches zu sagen (das ist ok, wir dürfen Fehler machen und keine:r ist perfekt)
  • Angst, zu wenig über Politik zu wissen (es ist nie zu spät damit anzufangen, setze dich auseinander, lese Blogs, Bücher und Co., am besten auch von Menschen mit Migrationsgeschichte)

Fragen zur Reflexion der eigenen Geschichte und der eigenen Rolle in dieser Gesellschaft

Wie wurde in meiner Familie mit der deutschen Geschichte und dem Holocaust umgegangen? Was wurde und wird verschwiegen?

Wo war z. B. mein (Ur)Großvater Täter und Opfer zugleich? Ambivalenz überfordert schnell, ist aber zum Teil normal

Wie gehts mir damit, dass mein Opa/Vater/Onkel/Tante usw. Na*zi war? Wie war oder ist meine Beziehung zu dieser Person? Darf ich die Person lieben, auch wenn er:sie Täter:in war?

Wie steht meine Familie zu geflüchteten Menschen? Wo habe ich vielleicht eine Haltung übernommen, die gar nicht meine ist? Was ist MEINE Haltung dazu?

Wenn ich flüchten müsste: Welches Verhalten wünsche ich mir von den Menschen in dem Land, in das ich flüchte und meine zweite Heimat finden möchte?

Wie kann ich mein Privilegien in dieser Gesellschaft nutzen? Was sind meine Privilegien? Vielleicht mein deutscher Pass? Meine Chancen auf Bildung und einen guten Job?

Wie kann ich auf meine Art „die Welt retten“ ohne mich dafür so zu verausgaben, dass ich in einem Burnout lande?

Dieser Ansatz mag vielen vielleicht etwas komisch vorkommen, aber wie gesagt: Aus meinen Erfahrungswerten heraus das einzige was hilft! Ich weiß, es ist nicht leicht, sich die Sorgen von potenziellen A*fD-Wähler:innen anzuhören. Aber probiert es. Wenn ihr merkt es geht nicht, dann geht es nicht. Dann ist das ok! Es ist nur wichtig, dass du es probierst. Und dann probierst du es vielleicht das nächste Mal bei einer anderen Person. Oder mit der gleichen Person nur in einem anderen Setting. Eins kann ich dir aber versprechen: Je klarer du mit dir und deiner Haltung bist, desto einfacher fällt es dir auch, dich in solche Gespräche zu begeben. Das dürfen wir üben! Daher die Reflexionsfragen hier.

Denn Fakt ist: Die A*fD liegt zur Zeit bei 30-35%. Das ist eine Hausnummer! Das ist nicht mehr lustig! Wenn du also in deinem Umfeld die Chance hast, Menschen bei den kommenden Wahlen umzustimmen: dann nutze sie! In einer Demokratie zu leben ist das höchste Gut was wir haben!

#traumsensibel

Ja, nun, was genau ist eigentlich traumasensibel? Lange war es mir schon wichtig ohne dafür einen Namen gefunden zu haben. Bis ich dann angefangen habe mich mit Verena König zu beschäftigen. Sie hat ein tolles Buch heraus gebracht „Bin ich traumatisiert?„, ein Podcast mit wirklich wertvollen Beiträgen und nicht zu vergessen die Fortbildung die sie anbietet. Sie bietet eine Fortbildung für traumasensibles Coaching an und es ist sooo wichtig, dass es so etwas gibt.

Nach eigenen Erfahrungen und nach den unzähligen Erfahrungsberichten meiner Klient:innen wünsche ich mir, dass ALLE und jede:r im Gesundheitssystem so eine Ausbildung machen/macht. Und ich meine wirklich alle, denn mit diesen allen habe ich täglich in meinem hauptberuflichen Job zu tun und ich raufe mir regelmäßig die Haare (ein Wunder, dass ich überhaupt noch soviele Haare habe…): Ärzt:innen, Therapeut:innen, Sachbearbeiter:innen bei Krankenkassen, Versorgungsämtern, Rentenversicherung, Agentur für Arbeit. Das würde es den betroffenen Menschen soviel leichter machen.

Natürlich raufe ich mir nicht bei allen die Haare. Ich erlebe auch wirklich tolle Zusammenarbeit und Kooperationen, eben genauso wie es sein soll! Wäre das nicht, würde ich diesen Job auch nicht so gerne machen. Nur leider kommt das viel zu selten in diesem riesen System vor.

Aber wie schon im letzten Artikel erwähnt:Wir können nicht darauf warten, dass sich das Gesundheitssystem schlagartig verändert, dazu ist es viel zu starr. Wir können nur das System ändern, indem wir uns selbst verändern. Deswegen bleibt mir nichts anderes übrig, als darüber aufzuklären, Empfehlungen von Expert:innen auszusprechen und GENAU: Euch dabei zu helfen einen besseren Umgang mit all dem zu finden.

Traumasensibel bedeutet für mich auch, alle beteiligten Systeme mit in Betracht zu ziehen. Ich hatte ja schonmal das biopsychosoziale Modell erwähnt. Würde bedeuten, euer behandelnder Arzt nimmt sich viel Zeit, um dich, deine Umstände und dein Umfeld kennenzulernen, um daraus dann die richtigen Therapien für dich zu empfehlen oder umzusetzen. Dazu würde auch gehören, dass er weiß und sich merkt, dass du schon viele übergriffige und schlechte Erfahrungen gemacht hast, um sich demnach sensibel auf dich und deine Bedürfnisse anzupassen. Klingt wie ein Träumchen, oder?

Manche machen es. Vielen ist es ein Anliegen. Nur leider wird es nicht in das Gesamtsystem integriert. Die meisten Ärzt:innen/Therapeut:innen, die darauf großen Wert legen, bietet ihre Dienstleistungen irgendwann nur noch privat an, weil es das Kassensystem gar nicht zulässt, dass Ärzt:innen sich wirklich Zeit nehmen. Und das ist wirklich traurig! Ich denke, es ist immer etwas veränderbar. Auch in diesem System. Aber eben nur gaaaaanz langsam. Und soviel Zeit haben wir nicht, weil zu viele zu sehr leiden und nicht wissen warum.

Dazu empfehle ich übrigens auch noch einen Podcast von Kathie Kleff, sie arbeitet eng mit Verena König zusammen, beide (vor allem auch zusammen im Podcasts) sehr empfehlenswert. In ihrem Podcast „get happy“ ist sie im Gespräch mit Prof. Dr. Dr. Christian Schubert, ein (Achtung, Zungenbrecher!) Psychoneuroimmunologe. In dem Podcast wird sehr gut deutlich, wie alles miteinander zusammenhängt und wie darauf im Gesundheitssystem eingegangen werden sollte.

Nervensystem, Hormonsystem, Immunsystem. Ein hochkomplexes System, was sich unmittelbar und mittelbar beeinflusst und bedingt.. Daher kann man auch chronische Entzündungserkrankungen oder auch Autoimmunerkrankungen nicht ohne eine traumatherapeutische Perspektive betrachten. Kein Hokuspokus. Wissenschaftlich belegt. Schauen nur zu wenige hin.

Wie würde bei dir ein traumsensibler Arztbesuch aussehen?

Wie würde bei dir eine traumasensible Therapiesitzung aussehen?

Auch Therapeut:innen kennen sich teilweise zu wenig aus: die sehen dich da sitzen. Wie immer siehst du stark und fit aus, bist halt im Überlebensmodus. Die Selbstschutzmauern hochgefahren, bloß nicht verletzlich zeigen, weil dann könnte ich ja wirklich wieder verletzt werden, ist ja auch allzu oft und immer wieder passiert. Dann lachst du noch, erzählst deine Geschichte so kompetent, dass man glaubt: „Ach, die braucht keine Hilfe, die hat das ja wie immer im Griff.“

Nein. Du musst nicht immer alles im Griff haben. Und nein, du musst nicht immer alles alleine schaffen!

Jaja, das Schicksal der trauamtisierten Kinder? Nein! Das ist kein Umstand an den du dich gewöhnen musst. Du kannst das ändern, mit traumatherapeutischer Hilfe: Deine Systeme so umprogrammieren, dass du lernst, dich zu öffnen, aber eben nur bei denen, die auch wirklich keine Gefahr für dich darstellen. Es ist nur ohne Hilfe sehr schwierig, das zu ändern, das kenne ich aus eigener Erfahrung.